Verfasst von: fridaydunard | 29. Dezember 2011

20.11 Tracks

2011 klingt aus – und gut! Also nochmal geschwind umgedreht und nachgehört, warum das so war.
In strenge Top-X-Listen lässt sich nicht fassen, was man da 365 Tage lang aufsaugt – also gibt es 20.11 Tracks, die jeweils stellvertretend für etwas stehen, das 2011 irgendwie wichtig war.

Die Bilder stammen allesamt von DJ-Gigs aus den letzten zwölf Monaten.


Was man in DJ-Sets meistens vermeidet, kann ein Jahresrückblick schon mal bringen: Starting with a Hit! Todd Terjes “Ragysh” spielte ungefähr jeder namhafte DJ, dem ich seit Frühjahr lauschen durfte. Und weil klein Friday den Großen natürlich alles nachmacht, gab es ab Juli auch kaum ein eigenes Set ohne diese Ultra-Bassline, die ich wahrscheinlich niemals wieder vergessen werde.


Dan Snaith aka Caribou ist einer der spannendsten Produzenten auf Planet Erde und wird wahrscheinlich schon längst von den Label-A&Rs ferner Galaxien beobachtet. Future of Music und so. Letztes Jahr noch als elektronischer Songproducer mit dem Album “Swim” erfolgreich, mutierte der Kanadier 2011 zum Remix-König mit Schwäche für den Dancefloor. Jede seiner eigenwilligen Umkrempelungen für Radiohead, die Junior Boys und eben Virgo Four war eine Überraschung und Erweiterung der eigenen Musik-Vorstellung. So richtig mit Kinnlade runter und Endless Repeat.


Nicht ganz so präsent wie 2010 war Border Community in diesem Jahr, hat aber mit zwei Luke-Abbott-EPs, einer von Fairmont und Kate Wax’ bizarrem wie schönem Album “Dust Collision” die Welt wieder mal bereichert.


2011, so sagt man, sei das Jahr, in dem Dubstep sich endgültig in alle Richtungen zersplitterte. Da kann man schon mal den Überblick verlieren, auch wenn man die Bassmusik seit geraumer Zeit mit großem Interesse verfolgt. Im Blickfeld habe ich auf jeden Fall Leute wie Ramadanman/Pearson Sound, Untold, Burial, Zomby, James Blake, Pangaea, auch Four Tet und viele andere, die die Musik frisch und wandlungsfähig halten. So dockt Dubstep mal an 4/4-Clubmusik an, schmückt sich wann anders mit melancholischen Chords und Vocals oder verknotet einem mehr Beine, als man hat – und man lernt das Tanzen nochmal ganz von vorn. Da lässt sich auch über die Flut an formelhaften Wubwub-Monstern und Youtube-Dubstep-Remixes hinwegsehen.


Olé, Spanien erscheint auf meiner elektronischen Sound-Landkarte! Und das gleich doppelt, mit zwei spannenden Nachwuchsproduzenten: John Talabot aus Barcelona und der Madrilene Pional wärmen Herzen und Dancefloors mit ihrer ganz eigenen Mischung aus gefühlten 53 Genres. Einsortieren ist schwierig – keine schlechte Voraussetzung dafür, dass da noch eine Menge gute Musik aus Iberien in die Welt exportiert wird.


Kosi kam around und brachte in nur einem Jahr gleich drei tolle Alben aus der Pampa mit. Fast täglich ändere ich meine Meinung darüber, ob nun das von Robag Wruhme, Isolée oder Ada das beste sein soll – und eigentlich ist es ja sowas von egal, so gut und beseelt alle dreie sind. Viel Freude macht es, das Label aus Hamburg.


Aber auch vor der eigenen Haustür gab und gibt es viel zu entdecken, wenn man nur mal Augen und Ohren aufmacht. Aus Karlsruhe gefielen dieses Jahr unter anderem Remarks Tüftelbeats, Istie Zoes zurückhaltender Indie-Pop, HipHop-Eigenbrötler Elbis, der knackige Postrock von Brainsheep oder auch:


Horse? – und damit sind wir auch “endlich” weg von der elektronischen Musik. Im Mai haute mich diese Lokalband völlig unerwartet aus beiden Stinkesocken und machte mich durch ihren schmutzigen, detailverliebten Stil wieder neugieriger auf härtere Gitarren.


À propos Gitarre: Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr habe ich 2011 auch viel nicht-elektronische Musik gehört, gern auch live. Vor allem das Karlsruher Konzertprogramm im Herbst hatte es in sich – Sunn O))), H.GichT, Portugal. The Man, Bodi Bill und die Fehlfarben in weniger als drei Monaten, das war schon sehr bereichernd.


Nicht zuletzt hat der Produzent Friday Dunard ein ganz gutes Jahr erwischt. Die Stuttgart EP im März, der Remix für Elbis im Herbst und eine Menge vielversprechender Trackentwürfe auf der Festplatte stellen durchaus zufrieden.


Zum Schluss noch ein bisschen Kraut: Die “Render” EP der Wundergruppe Cologne Tape lief 2011 rauf und runter. Leider gibt es den motorisch-sphärischen Wahnsinn von “Render 3″ nirgendwo als brauchbares Embed-File. Macht aber nix, jeder der fünf Tracks ist stark und spricht für sich. Danke!


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